Bleiberecht für Selami

Heute (16. Mai) wurde Selamet Prizreni abgeschoben. Selamet, der zusammen mit seinem Bruder Kefaet das Rap-Duo K.A.G.E bildet, hat in der vergangenen Woche noch im Rahmen des „festival contre le racisme 2017“ in Bonn ein Konzert für uns gegeben.
Selamets Eltern kamen mit seinen älteren Geschwistern 1988 aus dem Kosovo nach Essen, wo sie als Asylbewerber lebten. Selamet ist in Essen geboren und hatte bis zu seiner ersten Abschiebung (zusammen mit seinem Bruder Kefaet) im Jahr 2010 den Kosovo nie gesehen.
Die Familie verbrachte die ganze Zeit über im menschenunwürdigen Zustand der Kettenduldung. Nachdem die Brüder in über vier Jahren in einem ihnen fremden Land, dem Kosovo, nie richtig Fuß fassen konnten, gelang ihnen Ende 2014 der Weg zurück nach Deutschland, wo sie seitdem wieder lebten. Als integrierte deutsche Muttersprachler, denen dennoch bloß aufgrund der Herkunft ihrer Eltern nie eine wirkliche Chance als gleichberechtigte Bürger dieses Landes gewährt wurde, schlugen sie sich mit verschiedenen Jobs durch und waren künstlerisch und politisch tätig als K.A.G.E, als Gründer der Organisation „Roma Art Action“ und aktiv in bundesweiten Netzwerken, die sich mit den Problemen von in Deutschland lebenden Roma beschäftigen. So entwickelten sie etwa ein interkulturelles und integratives Projekt mit HipHop-Workshops, in dem sie Tanz und Lyrical Coaching anboten.
Doch all ihre Träume und Pläne wurden heute ein weiteres Mal durchkreuzt durch die frühmorgendliche Abschiebung Selamets in den Kosovo. Ein unmittelbar gestellter Eilantrag gegen die Abschiebung erreichte die Verantwortlichen auf dem Flughafen nicht mehr rechtzeitig.
Wir sind traurig und wütend, mit ansehen zu müssen, wie Selamet aus unserer Mitte gerissen wurde. Die unmenschliche Abschiebepraxis zeigt sich hier – zumal ungeachtet einer vorbildlichen Integration ins soziale Leben in Deutschland – ein weiteres Mal in ihrer ganzen Hässlichkeit. Wir verurteilen die Abschiebung Selamets und fordern, dass ihm die Rückkehr in seine Heimat Essen ermöglicht wird.

Refugees Welcome Bonn, 16. Mai 2017

AStA der Universität Bonn

Link zur Petition des Bundesromaverband.

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